publiziert: 17.02.2017 10:35 Uhr
aktualisiert: 17.02.2017 10:36 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Hochfilzen (dpa)

Erster Biathlon-Weltmeister aus den USA: Bailey im Glück

Lowell Bailey war schon fast in der Biathlon-Rente. Zum Glück entschied sich der Amerikaner anders: In Hochfilzen sorgt er als Weltmeister im Einzel für die Sensation. Und die Konkurrenten applaudieren und freuen sich für ihn.

  • Glücklich US-Sportler Lowell Bailey (r) jubelt außer sich vor Freude mit einem Betreuer im Ziel. Foto: Martin Schutt 
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Noch vor einem Jahr wollte Lowell Bailey auf einer Farm Bisons züchten, jetzt ist er Biathlon-Weltmeister. Als erster US-Amerikaner der Geschichte und das mit 35.

«Ich warte immer noch, dass mich jemand aufweckt. Ein Traum ist wahr geworden. An diesen Tag werde ich mich mein Leben lang erinnern», sagte Bailey nach seinem geschichtsträchtigen Sieg im Klassiker über 20 Kilometer in Hochfilzen - vor dem 32 Jahre alten Tschechen Ondrej Moravec und Martin Fourcade aus Frankreich. Es war sein erster Sieg in seiner über 15-jährigen Karriere überhaupt.

Auch die Konkurrenten gönnten ihm den Erfolg. «Er ist ein super Kerl», sagte der viertplatzierte Erik Lesser, der durch Baileys Sensationssieg am Donnerstag noch vom Bronzerang auf Platz vier abrutschte. Rekord-Weltmeister Ole Einar Björndalen sagte: «Er hat es am meisten verdient.» Und auch der entthronte Fourcade sagte: «Ich freue mich sehr für Lowell.»

Denn Bailey, einer der wenigen Linksschützen, ist im Feld der Skijäger sehr respektiert. Der begeisterte Gitarrenspieler und Sänger engagiert sich als Athletensprecher neben Fourcade lautstark im Kampf gegen Doping. Und er ist kein Freund des neuen US-Präsidenten Donald Trump. «Von ihm halte ich nicht viel», sagte er. Ob er weiß, was Biathlon ist? «Ich denke, so wie bei vielen Sachen, er hat davon keine Ahnung.»

Nachdem Bailey in der Verfolgung als Sechster die Medaille knapp verpasst hatte, lief er diesmal quasi um sein Leben. «Das war die letzte Tage hunderte Male in meinem Kopf. Ich wollte nicht, dass mir das noch mal passiert», sagte Bailey, der sich mit seiner Frau Erika und seinem acht Monate alten Töchterchen Ophelia bei der Flower-Zeremonie auf dem Podest feiern ließ. Dabei hatte er sich schon damit abgefunden, kein Sieger mehr zu sein. «Ich wollte nur noch Spaß haben. Denn wenn ich nach Hause komme, bin ich die Nummer eins. Und das ist das Wichtigste», sagte er.

Die Sache mit der Farm seines Schwiegervaters im Bundesstaat New York ist Geschichte. Denn auch seine Frau drängte ihn dazu weiterzumachen. «Ich muss meiner Frau danken. Sie hat immer an mich geglaubt und mich unterstützt», sagte Bailey. Seit vergangenen Mai bereitete er sich auf dieses eine Rennen vor: «Ich wusste, dass ich da die besten Chancen haben.»

Sein Plan nun: Weitermachen bis zu den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Danach zieht die Familie nach Bozeman/Montana und will dort ein Biathlon-Zentrum mitaufbauen. «Vielleicht inspiriert mein Erfolg ja Kinder, sich ein Gewehr auf den Rücken zu schnallen und Biathlon zu machen.»

Von Sandra Degenhardt und Volker Gundrum, dpa
    
    

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