Stimmen zur Landtagswahl (dpa) - Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein will trotz der schweren Verluste der CSU Regierungschef bleiben. Ziel sei nun, eine bürgerliche Koalition zu bilden, sagte er am Sonntagabend in München. „Ich stehe für eine Koalitionsregierung zur Verfügung.“ Zugleich gestand Beckstein die Wahlniederlage der CSU ein. „Wir haben offensichtlich es nicht geschafft, den Menschen deutlich zu machen, dass wir einen alleinigen Regierungsauftrag zum Wohle Bayerns brauchen. Die Menschen haben beschlossen, aus deren Sicht, dass wir in eine Koalition hinein müssen.“
(dpa) CSU-Vize Horst Seehofer hat die schweren Verluste der CSU bei der bayerischen Landtagswahl als „Katastrophe“ bezeichnet. „Wir müssen in den nächsten Tagen ehrlich und offen über das Wahlergebnis reden“, sagte Seehofer am Sonntagabend bei einer CSU-Wahlparty in Ingolstadt. Der als heißer Anwärter auf die Nachfolge von CSU-Chef Erwin Huber geltende Seehofer betonte gleichzeitig: „Ich habe noch nicht telefoniert und ich habe keine Netzwerke gespannt.“
(dpa) Die Niederlage der CSU bei der Bayernwahl gibt der SPD nach Ansicht ihrer Landesvorsitzenden Ute Vogt Mut für die nächste Landtagswahl in Baden-Württemberg. „Auch wir haben hier eine CDU, die denkt, sie sei auf das Regieren abonniert“, sagte Vogt in einer ersten Reaktion am Sonntagabend. Ein Vierer-Bündnis jenseits der CSU hätte aus ihrer Sicht in Bayern „einen Reiz“. SPD-Spitzenkandidat Franz Maget sei in der Lage, SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP zusammenzuführen. „Er wäre ein toller Ministerpräsident“, sagte Vogt. Ärgerlich seien die knapp fünf Prozent für die Linken. „Das sind jetzt verlorene Stimmen.“
(dpa) - Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Franz Maget will eine Regierung ohne die CSU bilden. „Es gibt die Möglichkeit jenseits der CSU zu einer Regierung“, sagte Maget am Sonntagabend im ZDF. „Wir wollen davon Gebrauch machen.“ Er kündigte Gespräche mit den Grünen an. Die Menschen in Bayern hätten einen Neubeginn gewollt. „Das war ein Erdbeben in Bayern“, sagte Maget zum Ergebnis der CSU. Er räumte aber ein, dass er sich ein besseres Ergebnis für die SPD erwartet habe. Dennoch habe die SPD „das erreicht, was drin war“.
(dpa) - CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hat eine intensive Debatte über das Wahlfiasko seiner Partei verlangt. „Für uns beginnt jetzt der Bundestagswahlkampf“, sagte Ramsauer der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntagabend. „Für uns steht jetzt im Mittelpunkt, welche Schlussfolgerungen wir im Hinblick auf den Bundestagswahlkampf ziehen müssen“, fügte er mit Blick auf die Sitzungen der CSU-Spitzengremien an diesem Montag in München hinzu. Auch die Landesgruppe werde in den nächsten Tagen über die Lage beraten.
(dpa) - Die Freien Wähler schließen nach ihrem Erfolg bei der Landtagswahl in Bayern eine Koalition mit der CSU nicht aus. „Wir werden mit jedem reden“, sagte der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger am Sonntagabend in der ARD. Auf ein Bündnis mit der CSU wollte er sich aber nicht festlegen. Die Freien Wähler hielten sich alle Optionen offen.
(dpa) - Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, hat Freie Wähler und FDP in Bayern vor Koalitionsverhandlungen mit der CSU gewarnt. „Nach dieser Watschn für die CSU sollte sich jede Partei überlegen, ob sie wirklich dazu beitragen will, dass der Filz im Freistaat verlängert wird“, sagte Künast der „Leipziger Volkszeitung“ (Montag). Die Union habe erkennbar ihre Bindewirkung im konservativen Lager verloren. Falls die SPD ihre Rolle finde, werde sich zeigen, „dass es in Deutschland keinen Raum für schwarz-gelbe Koalitionen gibt“.
(dpa) - Nach dem desaströsen Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl haben Parteivize Barbara Stamm und Fraktionschef Georg Schmid vor übereilten Personalspekulationen gewarnt. „Es ist gut in solchen Situationen, eine Nacht darüber zu schlafen“, sagte Schmid am Sonntagabend in München auf entsprechende Fragen. Stamm betonte, zunächst müssten erst einmal die Parteigremien tagen.
(dpa) - Bayerns Europaminister Markus Söder (CSU) hat sich für eine Koalition seiner Partei mit den Liberalen ausgesprochen. „Nur die FDP bietet sich als halbwegs verlässlicher Partner an“, sagte Söder am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Indirekt übte er Kritik an seiner Nachfolgerin Christine Haderthauer im Amt des Generalsekretärs. Es müsse darüber geredet werden, ob die Kommunikation innerhalb der Partei im Wahlkampf falsch gewesen sei, sagte Söder. Auch sei das Lebensgefühl der Menschen nicht getroffen worden. Söder sprach sich aber gegen Schnellschüsse bei möglichen personellen Konsequenzen aus. Notwendig seien vielmehr tiefgreifende Analysen. „Das Schlimmste wäre, wenn wir uns jetzt zerfleischen.“
(dpa) - Die CSU will nach ihrer Niederlage bei der Landtagswahl in Bayern schnell Gespräche über eine Koalition aufnehmen. „Die Wähler wollen nicht, dass die CSU alleine regiert“, sagte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer am Sonntagabend in der ARD. Die CSU habe den Auftrag bekommen, eine bürgerliche Koalition zu bilden.
(dpa) - Die bayerische Grünen-Vorsitzende Theresa Schopper sieht im Ergebnis ihrer Partei einen „immensen Fortschritt für grüne Politik“. Es sei das beste Ergebnis aller Zeiten für die Grünen im Freistaat, sagte Schopper am Sonntagabend im ZDF. Zu der Freude über das gute Abschneiden der Grünen geselle sich die Freude über den Verlust der absoluten Mehrheit der CSU.
(dpa) - Bayerns Kultusminister und Oberbayerns CSU-Bezirkschef Siegfried Schneider hat den fehlenden Stoiber-Bonus für das desaströse Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl verantwortlich gemacht. Der vor einem Jahr aus dem Amt gedrängte Ministerpräsident Edmund Stoiber habe bei der Landtagswahl 2003 „ein fulminantes Ergebnis erzielt“, besonders in Oberbayern, sagte Schneider am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Die CSU hatte bereits bei der Kommunalwahl vor einem halben Jahr in Oberbayern besonders schlecht abgeschnitten. Nun gelte es, das Ergebnis mit kühlem Kopf zu analysieren, sagte Schneider.
(dpa) - Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit soll die CSU nach den Worten von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in Bayern künftig in einer „Koalition der Mitte“ weiterregieren. Pofalla verwies am Sonntagabend in Berlin darauf, dass die drei bürgerlichen Parteien CSU, FDP und Freie Wähler zusammen mehr als 60 Prozent bekommen hätten. Er gehe davon aus, dass Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) nun schnell entsprechende Gespräche aufnehmen werde. Mit Blick auf die Verluste der SPD und deren Kanzlerkandidaten, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, sagte Pofalla: „Der Steinmeier-Faktor ist ausgeblieben.“ Die SPD müsse das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte in Bayern verkraften.
(dpa) - Die Wahlschlappe der CSU bei der Landtagswahl in Bayern ist aus Sicht der Linken auch eine Niederlage der großen Koalition. „Die große Koalition hat nach Hessen und Niedersachsen erneut in Größenordnung verloren“, teilte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am Sonntagabend in Berlin mit. Die CSU sei der große Verlierer der Wahl und auch die SPD habe daraus keinen Vorteil ziehen können. Der Wechsel an der Spitze zu Frank- Walter Steinmeier und Franz Müntefering habe der SPD nicht den erhofften Effekt gebracht. „Die SPD muss sich entscheiden, ob sie nach dieser erneuten Niederlage weiter auf neoliberalem Kurs bleiben will.“
(dpa) - Der Bundesvorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, sieht den Aufwärtstrend seiner Partei im Westen trotz des verpassten Einzugs in den bayerischen Landtag nicht gestoppt. „Wir haben schon mehr erreicht, als wir uns vor einem Jahr erhofft hatten. Wir liegen über Plan“, sagte er der „Sächsischen Zeitung“ (Montag). Die Wähler in Bayern hätten die Linke deutlich gestärkt. „Das ist ein Signal für kommende Wahlen. Aber es hat halt leider nicht ganz gereicht für den Einzug in den Landtag. Man darf jetzt allerdings auch nicht aus einem so deutlichen Zuwachs eine Niederlage konstruieren.“

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